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Planung einer Bewegungsaktivität für Kinder

(Zeitangaben für insgesamt 30 - 60 Min.)

A. Phasen einer Bewegungsaktivität

1. Ritual und Hinführung zum Stundenthema (ca. 5 Min)

Ziele: Begrüßung, Einstimmung, Kontaktaufnahme, Themaeinführung, evtl. Materialeinführung und Austeilen des Materials, Wahrnehmung, Sprache

Mögliche Inhalte und Methoden: 

  • Begrüßungslied oder -spruch
  • Einstieg in eine Bewegungsgeschichte
  • Bilder zeigen
  • Rätsel erraten
  • Gegenstände erfühlen oder erlauschen
  • Material austeilen, versch. Möglichkeiten: z.B. „Alle die …“; Aufforderung namentlich oder durch Zublinzeln; zurollen; zuwerfen; in die Handschale der Kinder legen, Hände können dabei vor oder hinter dem Oberkörper sein, Augen dabei evtl. geschlossen; Ablegen des Materials auf einem Körperteil (Kopf, Schulter, Bein, …), während die Kinder mit geschlossenen Augen sitzen oder liegen; …

2. Aufwärmen (ca. 8-15 Min)

Ziele: Ersten Bewegungsdrang stillen (Intensität langsam steigern), Kontaktaufnahme, Konzentration, allgemeine Erwärmung der Muskulatur, Aktivierung des Herz-Kreislaufsystems, Raumerfahrung, grobmotorische Koordination (beim Gehen, Laufen, hüpfen, rennen, …), feinmotorische Koordination (beim Umgang mit Kleingeräten/ Alltagsmaterial)

Mögliche Inhalte:

  • Bewegungsgrundformen anwenden: gehen, laufen, hüpfen, springen, krabbeln, kriechen, wälzen, rollen - vorwärts/ rückwärts/ seitwärts, langsam/schnell, ...
  • Kleingeräte und Alltagsmaterialien rollen, werfen, fangen, kicken, transportieren, balancieren
  • spielerische Gymnastik

Methoden:

  • Aufwärmspiele, z.B. Musik-Stopp-Spiele ohne Wettbewerb (Kein Ausscheiden, möglichst kein Fangspiel)
  • Bewegungslieder
  • Bewegungsgeschichte erzählen
  • Experimentierphasen mit Kleingeräten/ Alltagsmaterialien
  • Halb-offene Bewegungsaufgaben stellen
  • Bewegungsanweisungen geben

3. Hauptteil (ca. 12-30 Min)

Ziele: Umsetzung von spezifischen Lernzielen, z.B.: Gleichgewichtsfähigkeit, Kräftigung, grobmotorische Koordination, Augen-Hand-Koordination, soziale Fähigkeiten, Wahrnehmungsfähigkeiten, ...

Mögliche Inhalte:

  • Bewegen an Geräten: klettern, rutschen, springen, schwingen, balancieren, rollen ...
  • Bewegen mit Kleingeräten/ Alltagsmaterialien: rollen, werfen, fangen, kicken, transportieren, balancieren, prellen, ...
  • Bewegungsspiele mit einfachen Regeln, Wahrnehmungsspiele

Methoden:

  • Gerätelandschaft (Freie Wahl der Stationen)
  • Geräteparcours (Stationen werden in einer vorgegebenen Reihenfolge nacheinander absolviert)
  • Gerätestationen in einer Bewegungsgeschichte
  • Bewegungsgeschichte weitererzählen
  • Bewegungsaufgaben stellen / Bewegungsanweisungen geben
  • Aufgaben mit Kleingeräten/ Alltagsmaterialien, z.B. balancieren über einen Parcours
    Bewegungsspiele

4. Abschluss und Ritual (ca. 5-10 Min)

Ziele: Pulsfrequenz senken, Körper wahrnehmen, Entspannung, gewonnene Erkenntnisse formulieren, reflektieren, einsammeln des Materials, beenden des Angebotes, entlassen der Kinder

Mögliche Inhalte und Methoden:

  • Abschlussspiel, z.B. ruhiges Wahrnehmungsspiel oder bewegungsreiches Fangspiel (abhängig von den aktuellen Bewegungsbedürfnissen der Kinder)
  • Übungen zur Körperwahrnehmung und Entspannung, z.B. spielerische Massagen oder Traumreisen
  • Abschluss der Bewegungsgeschichte
  • Abschlussgespräch, Reflexion der Stunde
  • Abschlusslied oder -spruch

B. Methodische Vorüberlegungen

Die folgenden methodischen Prinzipien sollten bei der Planung und Durchführung von Bewegungs-angeboten beachtet werden. Sie helfen die Inhalte sinnvoll auszuwählen, anzuordnen und zu vermitteln (vgl. Kinderturnstiftung Baden-Württemberg: Bewegungserziehung in der frühkindlichen Bildung. 2014, S.44-45).

Prinzip der Anschaulichkeit:
Bewegungsabläufe, Übungen und Spielerklärungen durch Demonstration oder Vergleiche vermitteln, d.h. die „Erklärung mit dem Tun verbinden“ oder Anweisungen mit Vergleichen geben, z.B. „Springt wie ein Känguru!“.
Prinzip der Entwicklungs- und Kindgemäßheit: Die Inhalte, Methoden und Ziele sollten dem jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder entsprechen und sich an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder orientieren, z.B. Neugierde zulassen und ihrem Bedürfnis nach Bewegung nachkommen. Sicherheit und Vertrauen werden durch Rituale und Regeln erfahrbar.

Prinzip der optimalen Bewegungszeit: In Bewegungsangeboten sollte die Zeit effektiv genutzt werden, z.B. durch eine gute Vorbereitung und kleine Gruppen. Bewegungs- und Erholungsphasen erzeugen einen Wechsel von Spannung und Entspannung und sollten den Bedürfnissen der Kinder angepasst werden.

Prinzip der Differenzierung:
Bezogen auf den Leistungsstand der Kinder, können heterogene oder homogene Gruppen gebildet werden. In homogenen Gruppen werden Übungen- und Spiele so ausgewählt, dass sie dem Stand aller Kinder entsprechen und sie zugleich fordern und fördern. Um in heterogenen Gruppen die einzelnen Kinder individuell anzuregen, ist es notwendig, Übungen, Aufgaben und Aufbauten mit unterschiedlichen Leistungsansprüchen anzubieten, z.B. großer und kleiner Kasten oder breite und schmale Bank.
Prinzip der Systematik: Die Abfolge der Inhalte und Übungen einer Bewegungsstunde sollte möglichst nach den folgenden Grundsätzen ausgewählt werden: „Vom Bekannten zum Unbekannten“ „Vom Leichten zum Schweren“ „Vom Einfachen zum Komplexen“ „Vom Groben zum Feinen“

Prinzip der Variabilität und Flexibilität:
Um die Motivation zu erhalten und Monotonie zu verhindern, sollte das Bewegungsangebot abwechslungsreich und interessant gestaltet sein. Neben Ritualen und Bekanntem sollte auch immer wieder etwas Überraschendes und Unerwartetes eingebaut werden. Auf Unvorhergesehenes und Ideen oder Stimmungen der Kinder sollte flexibel reagiert werden. Die festgelegte Planung stellt eine Richtlinie dar, die aber nicht strikt eingehalten werden muss. Die Kinder sollten sich auch immer wieder an der Gestaltung mitbeteiligen dürfen.

Weitere Handlungsprinzipien

(vgl. Renate Zimmer: Handbuch der Bewegungserziehung)

Freiwilligkeit:
Grundsätzlich sollte die Beteiligung am Bewegungsangebot freigestellt sein. Nur freiwilliges Handeln trägt zur Entwicklung der Selbstständigkeit bei. Die Anleitenden können ermutigen, sollen aber keinen Zwang ausüben oder überreden. Einige, vor allem jüngere Kinder, brauchen Zeit zum Beobachten bevor sie sich ins Spiel einbringen.

Erlebnisorientiertheit:
Orientierung an der unmittelbaren Erlebniswelt des Kindes. Bewegungs-geschichten können die Spielhandlungen begleiten. Symbol- und Rollenspiele haben einen hohen Stellenwert, weshalb Geräten oft eine symbolische Bedeutung beigemessen wird, z.B. wird die Sprossenwand ein Kletterbaum im Zoo und die Kinder stellen Affen dar. Offene Bewegungssituationen bieten die Möglichkeit, dass Kinder Materialien und Geräte nach eigenen Vorstellungen kombinieren und sich Erlebnisräume bauen, in denen sie sich intensiv mit ihrer Umgebung und den Spielpartnern auseinandersetzen, z.B. Bewegungsbaustellen.

Entscheidungsfreiheit:
Es sollten Wahlmöglichkeiten vorhanden sein, in Bezug auf bestimmte Rollen innerhalb eines Bewegungsspiels oder Gerätekombinationen. Kinder sollen die Fähigkeit entwickeln für sich zu entscheiden, wobei der Entscheidungsspielraum sie nicht überfordern darf. Den Kindern soll aber auch nicht durch ständige Anordnungen und Anweisungen jede Möglichkeit der eigenen Entscheidung abgenommen werden.

Selbsttätigkeit:
Die Kinder sollen befähigt werden selbst die Initiative zu ergreifen und für ihr Handeln Verantwortung zu übernehmen, z.B. beim Umsetzen einer gemeinsamen Spielidee. Das Handeln aus eigenem Antrieb ermöglicht Erfahrungen der Selbstwirksamkeit, die das Selbstwertgefühl steigern und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten vermitteln.